CH Open Source Awards 2011

Gewinner CH Open Source Awards 2011

Die Swiss Open Systems User Group /ch/open hat am Dienstag, 13. September 2011 im Hub Zürich die Open Source Awards vergeben. Mit den Auszeichnungen werden bisherige Engagements für die Förderung von Open Source Software in der Schweiz honoriert.Aus 39 Eingaben musste die Jury in den Kategorien Business Case, Community und Youth die Besten erküren.

Die diesjährigen CH Open Source Awards gehen an frentix GmbH in der Kategorie Business Case, an Kolab Groupware in der Kategorie Community und an Drupal-Entwickler Sascha Grossenbacher als Sieger der neu geschaffenen Nachwuchskategorie, sowie an Archivista in Form eines Special Awards.

Die Gewinner von links nach rechts: Florian Gnägi (frentix), Georg Greve (Kolab), Urs Pfister (Archivista), Sascha Grossenbacher (Drupal)

Gewinner Business Case

In der Kategorie Business Case konnte frentix am meisten überzeugen.

Jury Mitglied Matthias Günther (IGE) führt zum Open Source Lernmanagement-System OLAT und dessen Kommerzialisierung durch das Unternehmen frentix GmbH aus:
„OLAT ist ein Lernmanagement-System der neuesten Generation. Die frei verfügbare Version von OLAT ist bereits sehr mächtig frentix übernimmt die Aufgabe eines Core-Committers und -Maintainers und stellt so einen nachhaltigen Entwicklungszyklus sicher“

Florian Gnägi (frentix), Raoul Schmidinger (EFG)

Das frentix Team freut sich ausserordentlich diesen Preis entgegenzunehmen zu dürfen. In den letzten fünf Jahren haben wir die Firma frentix und unser Geschäftsmodell rund um das Open Source E-Learning System OLAT kontinuierlich auf- und ausgebaut. Während dieser Zeit waren wir ein aktives OLAT Core Community Mitglied und haben mit kontinuierlichen Code Contributions und Öffentlichkeitsarbeit intensiv am Aufbau der Software und der Community mitgewirkt. Dass wir nun diesen Preis im Bereich „Business Case“ für OLATpro und unsere Dienstleistungen entgegen nehmen dürfen ist grossartig und bestärkt uns in unserer Open Source Strategie. Wir möchten uns an der Stelle auch bei allen anderen OLAT Contributors  für ihre Arbeit bedanken, gemeinsam haben wir ein starkes Produkt mit einem grossen Funktionsumfang auf die Beine gestellt. Ebenfalls bedanken wollen wir uns beim /ch/open Vorstand und der Jury für ihr Engagement und dem Sponsor des Business Case Awards  EFG Financial Products AG, vielen Dank!

Der Business Case des Unternehmens Frentix beinhaltet einen aussergewöhnlich hohen Anteil an Open Source, da verwundert es nicht, dass der Award dieses Jahr an die Entwickler des Open-Source-Systems OLAT ging. Diesen hohen Open-Source-Anteil hat Frentix jedoch auch dem Aspekt zu verdanken, dass es als Spin-off-Unternehmen direkt aus dem Open-Source-Projekt OLAT entstanden ist. Zusammen mit zwei anderen Studierenden hatte der heutige Geschäftsführer Florian Gnägi vor über zehn Jahren die Entwicklung von OLAT an der Universität Zürich initiiert.
OLAT ist ein umfassendes E-Learning-System, das in Unternehmen, Schulen oder Bildungsinstituten verwendet werden kann. Der integrierte Ansatz führt zu einem konsistenten Verhalten und einem einheitlichen Look&Feel aller Werkzeuge, was der Usability und somit der Nutzbarkeit zugute kommt. Hat man als Anwender die Grundkonzepte von OLAT verstanden, ist es ein Leichtes, einen E-Learning-Kurs durch zusätzliche Kursbausteine wie Blog, Wiki, Forum oder einen Onlinetest anzureichern, erklärt Gnägi. Juror Sebastian Spaeth erklärte, dass die Lösung von Frentix zeige, dass ein klassisches Businessmodell auch auf Basis von Open-Source-Produkten möglich sei. «Wir sind sehr froh und stolz über den Preis und freuen uns ausserordentlich. Es zeigt, dass unsere jahrelangen Investitionen in das Open-Source-System OLAT auf Anerkennung stossen und auch ausserhalb unseres Kundenkreises honoriert werden. Natürlich haben wir auf den ersten Platz gehofft, doch gerechnet haben wir nicht damit. Die anderen Nominierten boten ebenfalls Interessantes, umso mehr freut es uns, dass wir uns mit unseren kommerziellen Erweiterungen und Dienstleistungen für das Open Source-E-Learning System OLAT durchsetzen konnten», so Gnägi.

Gewinner Contribution

In der Kategorie Community war Kolab das Mass aller Dinge.

Sebastian Spaeth, Jury-Mitglied und renommierter Open Source Forscher an der ETH, erklärt zur Community-Award Gewinnerin, der Kolab Groupware:
„Kolab ist eine einzigartige Groupware mit fantastischen Features, die zudem einen komfortablen Migrationspfad weg von proprietären Standardlösungen anbietet und sehr  konsequent auf offenen Standards aufbaut. Es ist beindruckend, wie sich um das von einem Deutschen Bundesamt initierte Projekt eine selbsttragende internationale Community aufgebaut hat und dieses nun gemeinsam pflegt und weiter enwickelt“

Boris Kraft (Magnolia), Georg Greve (Kolab)

Es ist uns eine grosse Freude und Ehre, den Award stellvertretend für unsere bunte und vielseitige Community im Empfang nehmen zu können. Es freut uns natürlich besonders, dass die Jury die Besonderheiten unserer Community wahrgenommen und so hoch gewertet hat: Wir arbeiten immer so eng wie möglich mit den ‚Upstream‘ Communities für die eingesetzten Komponenten zusammen, meist sogar direkt als Teil dieser Communities, wie z.B. by Cyrus oder KDE. Alle unsere Beiträge gehen zurück an die jeweiligen Projekte wie auch alle unsere Nutzer die Rechte und Möglichkeiten Freier Software vollständig erhalten und davon regen Gebrauch machen. Kunden auf der anderen Seite erhalten durch Kolab Systems und unsere Enterprise Community den jeweils für sie richtigen Grad an Unterstützung ohne sich mit den Komplexitäten der Technologie auseinandersetzen zu müssen. Unser Dank geht aber natürlich auch an die /ch/open für die Ausrichtung dieses Awards und eine sehr gelungene Ausrichtung der Veranstaltung!

In der Kategorie Communitysräumte Kolab mit der Lösung fürPersönliches Informationsma-nagement (PIM) ab. Georg Greve,CEO der Kolab Systems AG, freutsich über den Sieg und die Anerkennung. «Die anderen Nominierten waren sehr stark und hättendaher alle das Zeug zum Siegergehabt», erklärt Greve.Kolab ist durch seine Communitysehr speziell. Sie ist eine Schnittmenge aus verschiedenen Com-munitys, da die Kolab-Groupware-Lösung hochmodular ist und für fast jede Komponenteverschiedene Optionen bestehen. Das Besondere an derLösung ist ihre Flexibilität undSkalierbarkeit, beides Faktoren,die heterogene Umgebungenund sehr grosse Installationenmöglich machen, erklärt Greve.Die Lösung bietet einen Groupware-Klienten auf Linux, Windows und Mac, der mit MicrosoftOutlook (nur Windows & Mac)vergleichbar ist. Damit füllt Kolabeine wichtige strategische Lückeim Bereich Freier Software vergleichbar mit OpenOffice.org im Office-Bereich.Die Kolab Groupware Solution ist dabei ohne Abstriche Freie Software/Open Source, mit einer vollfunktionsfähigen Community-Version und einer Enterprise-Ready-Version «Certified Kolab», die sich nur in kunden- und plattform-spezifischen Aspekten sowie den höheren QA(Quality Assurance)-Anforderungen von der Community-Version unterscheidet.Beide Versionen sind zu 100 Prozent Open Source und werden in Zusammenarbeit mit vielen Communitys entwickelt. Auf die Frage, wie Kolab den Sieg feiern wird, antwortete Greve: «Wir sind Teil einer internationalen Firmengruppe und komplexen Community, die sich über mehrere Zeitzonen erstreckt. Daher werden wir wohl bei der nächsten Konferenz für Freie Software ein wenig mit allen beteiligten Mitarbeitern und den entsprechenden Communitys feiern.

Gewinner Youth

Die Kategorie Youth wurde von Sascha Grossenbacher gewonnen.

Jan Fülscher, Jury-Mitglied und Startup-Coach fasst den Einsatz von Sascha Grossenbacher, dem Gewinner der Kategorie Youth wie folgt zusammen:
„Hervorragender Einsatz für eines der wichtigsten Content Management Systeme“

David Krebs (Mimacom), Sascha Grossenbacher (MD Systems)

Ich freue mich sehr über diesen Award und insbesondere auch über die positive Publicity für Open Source und Drupal. Ich habe dank Drupal auch sehr viel profitiert und so war es für mich immer eine Selbstverständlichkeit, etwas zurückgeben zu können und selber daran mit zu arbeiten. Dank der sehr freundlichen, entgegenkommenden Community von Drupal ist mir der Einstieg einfach gefallen und die Arbeit and und mit Drupal war immer sehr spannend und angenehm. Durch diese Mitarbeit und die damit verbundene Präsenz innerhalb der Community haben sich mir auch beruflich viele Türen geöffnet. So konnte ich nach Abschluss meines Studiums von Beginn an als Drupal Entwickler bei MD Systems produktiv mitarbeiten und musste mich nicht erst in proprietäre Lösungen einarbeiten.

Drupal 7 hat die Öffentlichkeit erreicht und Sascha Grossenbachers Arbeit hat also quasi die grosse Masse erreicht. Mehr als 1% aller Web-Anfragen werden heute durch Drupal beantwortet. Bis zum 19. April 2010 wurden 6011 Patches von 732 Personen in den Drupal 7 Branch eingereicht. Sascha Grossenbacher ist mit 81 akzeptierten Core-Patches an Stelle 15 der globalen Contributors, weit über allen anderen Schweizer Entwicklern. Er leistetete damit einen wichtigen Teil für Drupal 7. Ein kurzer Bericht auf unserer Homepage. Sein Engagement ist hauptsächlich auf Module gerichtet welche typische Kernelemente einer Community darstellen. Wichtige & bekannte Module die durch Ihn maintained werden: Private Nachrichten unter Teilnehmern (16687 Websites), Punkte / Bewertungssytem von BenutzernBeziehungen zwischen Benutzern. Und zusätzlich hat er zusammen mit seinem Mitstudenten Peter Stöckli die Semesterarbeit Dynamic Properties im Herbstsemester für MD Systems realisiert. Das junge Projekt wird in Zukunft zusätzlich Relevanz gewinnen im Bereich E-Commerce mit Drupal.

Gewinner Special

Ein Special Award wurde an Archivista vergeben.

Jury Mitglied Matthias Günther (IGE) meint zu Archivista: 
Archivista war in der Schweiz ein Pionier im Bereich der Kombination Open Source und Businesslösung. Mit der zusätzlichen Bündelung mit Hardware (und dem „Recyclen“ alter Hardware) ist der Firma Archivista ein Produkt gelungen, dessen lange Lebensdauer und Erfolg exemplarisch zeigt, wie Open Source Software in geschäftskritischen Bereichen verwendet werden kann“

Mit ausserordentlicher Freude nehmen wir den Award 2011 entgegen. Als wir 2004/2005 auf Open Source setzten, da ‚kämpften‘ wir zunächst auf zwei Seiten. Gegenüber der Open Source Community, die zunächst glaubte, unser Engagement sei rein marketingtechnischer Natur, aber auch auf der Kundenseite, die zunächst (zumindest zum grössten Teil) nicht so richtig wusste, was Open Source ist. Aber nur dank Open Source konnten wir das ArchivistaBox-Konzept (Hard-, Software und Support aus einer Hand) überhaupt in die Tat umsetzen. Ohne Open Source liessen sich unsere Lösungen (Betriebssystem und Applikationen) nie und nimmer in 1 bis 2 Minuten aufsetzen, auch könnten wir beim Dokumenten Mangament ArchivistaDMS keine 30 Jahre Garantie auf die archivierten Daten gewähren. Ohne Open Source wäre der Virtualisierungscluster SwissRocket ebenfalls nicht enstanden, womit unsere Kunden und wir uns wohl keine hochverfügbare VM-Lösung leisten könnten. Dank Open Source realisierten wir die VESR-Integration innerhalb einiger Stunden, ohne die GPL-Lizenz wären es mindestens einige Tage, wenn nicht Wochen gewesen. Dies alles sind einige wenige Beispiele, weshalb wir heute Open Source nie und nimmer mehr missen möchten. Wir danken der Jury ganz herlich für die Award 2011, er wird uns heute und in Zukunft viel Ansporn geben, die ArchivistaBox als Business-Box mit grosser Kraft und Elan  voranzutreiben. Danke!

Für den langjähriges Engagement für Open Source und dessen Einsatz wurde das  Unternehmen Archivista ausgezeichnet, das schon seit 1999 im Open Source Business aktiv ist. Archivista produziert boxbasierende Embedded-Lösungen im Bereiche des Dokumenten-Managements (DMS) und der Virtualisierung. Urs Pfister, Geschäftsführer der Archivista GmbH erklärte: „Der Swiss Open Source Award 2011 wurde uns verliehen für das langjährige Engagement im Bereich Open Source. Ich würde noch einen Schritt weitergehen wollen, ohne Open Source gäbe es die ArchivistaBox so nicht, dank Open Source können wir für unsere Kunden Lösungen realisieren, die ohne Open Source nicht möglich wären. Open Source ist daher für uns unverzichtbar geworden, ja Open Source macht (auch nach mehr als sieben Jahren) süchtig!“