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Interview mit Julia Kloiber

@j_kloiber

Julia Kloiber ist digitale Gründerin. In ihren Projekten untersucht sie die Auswirkungen von Technologien auf die Gesellschaft und entwickelt Programme, welche Technologien für das Gemeinwohl fördern. So z.B. den ersten öffentlichen Fonds Deutschlands für Open-Source-Softwareprojekte: den Prototype Fund oder das Civic Tech Programm Code For Germany.

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Wie können Verwaltungen und Bürger*innen von Open Source profitieren?

Der Einsatz von Open Source Technologie kann auf vielen Ebenen gewinnbringend sein, nicht nur für die Verwaltung selbst, sondern auch für Bürgerinnen und Bürger. Frei nach dem Motto 'Public Money, Public Code‘ können Ressourcen gespart und gebündelt werden, wenn beauftragte Softwarelösungen für Dritte (z.B. von anderen Verwaltungen) frei nutzbar sind und weiterentwickelt werden können. Der öffentlichen Wert wird maximiert, indem statt teurer proprietärer Lizenzen, die Schaffung von neuem Wissen im Zentrum steht. Ein weiterer spannender Aspekt ist technologische Souveränität. Dabei geht es darum, die Abhängigkeit von großen meist ausländischen Unternehmen zu reduzieren und stattdessen in der Lage zu sein, den Anbieter zu wechseln und mit lokalen Unternehmer*innen und Unternehmen zusammenzuarbeiten. Lokale Unternehmen, die Rechte und Freiheiten der Nutzer*innen respektieren und Verwaltungen und Nutzer*innen dabei helfen, die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Auf lange Sicht können Verwaltungen also autonomer, unabhängiger und transparenter sein.

 

Was sind aktuelle Herausforderungen im Bereich von Open Source Entwicklungen? 

Für einzelne Entwickler*innen ist Open Source oft finanziell nicht rentabel, vieles wird nur sehr schlecht oder gar nicht entlohnt. Insbesondere für die Instandhaltung von Software gibt es so gut wie keine Ressourcen. Für Firmen ist immer die Frage, wie sie von der Entwicklung von Open Source profitieren. Manchmal geht es um Publicity oder darum Ressourcen einzusparen. Oft sind Unternehmen auch an bestimmte Lizenzmodelle gebunden, indem sie zum Beispiel einen offen lizenzierten Code oder Libraries verwenden. Unternehmen erwirtschaften Geld in dem sie Support für Open Source Dienstleistungen anbieten oder haben Businessmodelle, die mit Open Source an sich nichts zu tun haben, wie dem Verkauf von Smartphones oder Werbung. Zwar gibt es eine Vielzahl an Einzelpersonen, die kleinere Open Source Tools schreiben, diese fließen dann aber häufig wieder in größere Entwicklungen, wie beispielsweise Browser, mit ein. Am meisten profitieren davon die großen Unternehmen. Zwar könnte theoretisch jeder einen Open Source Browser wie Chromium forken. Die technischen und finanziellen Ressourcen dafür haben aber die wenigsten.

 

Ein weiteres grundlegendes Problem für die Entstehung von neuen Open Source Lösungen ist, dass Nutzer*innen sich an Businessmodelle gewöhnt haben, in denen sie mit ihren Daten, anstatt mit Nutzungsgebühren bezahlen. Das macht es schwierig für kleinere Unternehmen, die gute datenschutzfreundliche Open Source Lösungen anbieten wollen.

 

Wie versuchen Sie in Ihrer Arbeit diesen Herausforderungen zu begegnen?

In 2016 habe ich ein Förderprogramm für Open Source Entwicklungen in den Bereichen Datensicherheit, Civic Tech, Data Literacy und Infrastruktur gestartet – den Prototype Fund. Die Gelder die vergeben werden kommen vom Deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung. Gefördert werden Open Source Lösungen, die sich am Gemeinwohl orientieren. Einzelnen Entwickler*innen und kleinen Teams wird es damit ermöglicht neue Ansätze zu erproben und bestehende Lösungen weiter auszubauen. Die Idee hinter dem Programm ist es, öffentliche Gelder in Open Source zu investieren und  damit die Entwicklung von Lösungen zu fördern, von denen die Gesellschaft profitiert. Der Fund ist in Anbetracht der Vielzahl und der Komplexität an Herausforderungen natürlich nur eine kleine Maßnahme. Um die Probleme in der Entwicklung von Open Source Infrastruktur noch besser zu verstehen, forsche ich aktuell an einem Projekt der Ford Foundation dazu, mit welchen Herausforderungen Open Source Entwickler*innen zu kämpfen haben und wie man ihnen am besten begegnen kann.

 

Ein weiterer guter Schritt in Richtung mehr nachhaltiger Open Source Entwicklung, ist die öffentliche Hand, die Open Source als Kriterium in Ausschreibungen mit aufnimmt. Um dem Problem der mangelnden Finanzierung von sogenanntem 'Public Interest Tech' auf größerer Ebene zu begegnen, könnte man sich natürlich auch Modelle aus der Finanzierung von Öffentlich-rechtlichen Medien ansehen.